Der Obus- und Duo-Bus-Betrieb in Esslingen am Neckar

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Der Obus-Steuerschalter von Kiepe (1962)

 

Bild 1: Obus-Steuerschalter von Kiepe (1962)

 

Die Obusse 16-22 (HS160OSL, Bj. 1960-62) waren mit BBC-Doppelkommutatormotoren  und elektropneumatischen Schützensteuerungen von Kiepe ausgerüstet. Die guten Erfahrungen von Betriebsbeginn an, und die Austauschbarkeit mit den Fahrmotoren der ÜHIIIs-Obusse mögen ausschlaggebend dafür gewesen sein, den eigentlich technisch überholten Motor erneut in der nächsten Fahrzeuggeneration zu verwenden. Die Steuerung mittels des bis dahin verwendeten BBC-Feinstufers FS10 entsprach nicht mehr dem Stand der Technik zumal eine Zweihubsteuerung bei dem gestiegenen Verkehrsaufkommen die Obusfahrer nicht gerade entlastet hätte. Der SVE entschied sich somit bei den HS160OSL erstmals für die elektropneumatische Schützensteuerung mit Einhub-Steuerschalter von Kiepe.

Die Anfahrt in Reihenschaltung der beiden Wicklungssysteme des Fahrmotors und das anschließende Umschalten in Parallelschaltung mit jeweils abzuschaltenden Vorwiderständen wurde auch von diesem Steuerschalter unterstützt. Außerdem stand bei ganz durchgetretenem Fahrpedal (Anordnung links) eine Feldschwächstufe zur Auswahl, mit der die Geschwindigkeit weiter gesteigert werden konnte. Der Steuerschalter sieht jeweils 10 Fahrstufen für Reihe und Parallelschaltung, sowie 10 Bremsstufen vor. Die ersten fünf Bremsstufen beinhalten eine Fremderregung der Feldwicklung aus der 24V-Batterie. Das Verschalten der Wicklungen und der unterflur angeordneten Kombinationswiderstände für Fahren und Bremsen wurde von druckluftbetätigten Schützen vorgenommen. Die Ventile der Schützen wurden mit Niederspannung vom Steuerschalter versorgt.

Die Aufgabe des fußbetätigten Steuerschalters war es, in Abhängigkeit der Pedalstellung und des Motorstromes die jeweiligen Schützen ein- oder auszuschalten. Kiepe lieferte ab 1962 einen weiterentwickelten Steuerschalter, der statt federnden Stahlfingern auf Kupfer-Kontaktbahnen der Steuerwalze, Nockenschaltelemente mit Druckkontakten und Nockenscheiben nutzte. Dieser Steuerschalter zeichnete sich durch eine verringerte und vereinfachte Wartung aus. Er war bzw. ist in den 1962 beschafften Obussen 21 und 22 eingebaut (s. Bild unten).

 

Bild 2: Blick auf Fahrsteuerwalze (links) und die Bremssteuerwalze (rechts) und den Antrieb des Steuerschalters von Obus 22

 

Funktionsweise:

Das gegen je eine Rückzugfeder gedrückte Fahr- oder Bremspedal betätigt über Gestänge die auf zwei ineinander geschobene Wellen sitzenden Antriebshebel (Bild 1, links). Unter Zwischenschaltung einer auf der Antriebswelle sitzenden Federspeicherkupplung betätigt ein Zahnsegment das Ritzel auf der Fahr- bzw. Bremswalze und dreht somit die Nockenscheiben welche die Kleinnockenschalter betätigen. Zwischen den Walzen ist die Wirbelstrombremse angeordnet. Deren Ritzel ist über ein Zahnrad und je einen Freilauf an die Fahr- bzw. Bremswalze angeschlossen. Der Freilauf ermöglicht beim schnellen Schalten ein verzögertes Ablaufen der Schaltwalzen ohne dass der Pedalhub dadurch beeinflusst wird. Die Erregerspule der Wirbelstrombremse liegt im Nebenschluss zur Feldwicklung des Fahrmotors. Übersteigt der Feldstrom eingestellte Maximalwerte durch zu schnelles Durchdrücken der Pedale, so wird die Bremskraft der Wirbelstrombremse erhöht und die jeweilige Walze verzögert weitergedreht. Erst nach Abklingen des Feldstromes kann die gespannte Federspeicherkupplung die Schaltwalze in die vom Pedal vorgegebene Stellung durchziehen, wobei der Ablauf vom Hemmwerk weiterhin verzögert wird. Dadurch werden Motorüberströme und Überlastungen des Differentialgetriebes vermieden. Beim Loslassen der Pedale wirken die Rückzugfedern. Über den Freilauf werden das Hemmwerk und die Wirbelstrombremse ausgekuppelt, so dass die Schaltwalzen unverzögert in ihre Ausgangslage zurückkehren können. Bei Betätigen des Bremspedals wird sofort die Fahrschaltung aufgelöst und die Bremsschaltung aufgebaut, auch wenn die Fahrsteuerwalze noch nicht in ihre Ausgangslage zurückgekehrt ist. Durch das Bremspedal wird unabhängig vom Steuerschalter bei höheren geforderten Bremsmomenten bzw. bei Stillstandsbremsungen zusätzlich die Druckluftbremse aktiviert.

Über der Fahrwalze befindet sich die Umschaltwalze für Vor- und Rückwärtsfahrt. Sie wird über einen Hebel manuell bedient.

Eine weiterentwickelte Version des Steuerschalters, die sich durch eine leichtere Bauweise und kleinere Abmessungen auszeichnete, kam beim Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen nicht mehr zur Anwendung. Die ab 1983 angeschafften Obusse 201-204, für die die elektropneumatischen Schützensteuerungen der Henschel-Obusse verwendet wurden, erhielten rein elektronische Steuergeräte.

 

Bild 3: Blick durch die zu Wartungszwecken angebrachte Bugklappe auf die Rückseite des Steuerschalters (Obus 22)

 

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