Der Obus- und Duo-Bus-Betrieb in Esslingen am Neckar

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Eine wichtige Informationsquelle dieser Homepage stellen die örtlichen Zeitungen dar, die ständig über Nahverkehrsthemen im Kreis Esslingen berichten. Die hier präsentierte Zusammenstellung von Presseberichten erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es werden hier vorwiegend Artikel wiedergegeben, die sich direkt oder indirekt mit dem Obus- und Duo-Bus-Verkehr des Städtischen Verkehrsbetriebes Esslingen befassen.

zu den  Leserbriefen  (letzter Eintrag vom 12.08.2017)

Eßlinger Zeitung

19.10.2006

 

O-Bus ist wieder einsatzbereit

ESSLINGEN: Metaller aus dem Beruflichen Ausbildungszentrum machen Oldie wieder bespielbar

(biz) - Jugendliche aus dem Beruflichen Ausbildungszentrum (BAZ) haben ihn vor Jahren schon einmal bespielbar gemacht - jetzt haben engagierte BAZ-Metaller den alten O-Bus auf dem Spielplatz am Bernhard-Denzel-Weg einmal mehr vor dem Schrottplatz bewahrt. Sie haben den Boden des Oldies wieder trittfest gemacht.
Aus Sicherheitsgründen hatte die Stadt im Sommer das Erkennungszeichen der preisgekrönten Anlage auf der Flandernhöhe abgesperrt. Denn die Unterkonstruktionen der Bus-Bodenplatten waren stellenweise so marode, dass sie ausgetauscht werden mussten. "Vor allem Witterung und Vandalismus hatten dem Gefährt arg zugesetzt", schreibt das Grünflächenamt in einer Mitteilung. Scharfkantige Ecken standen den hohen Sicherheitsanforderungen an einem Kinderspielplatz entgegen, ein stabiler Bauzaun riegelte den Bus ab. Das BAZ in der Esslinger Urbanstraße stellte dann ein Team engagierter Metaller in Ausbildung zur Verfügung, die sich um die Sanierung des Busses kümmerten. Die Materialkosten von rund 1800 Euro hat das Grünflächenamt übernommen, das auch noch einige kleinere Details, die der TÜV noch bemängelt hatte, ausgebessert hat. Jugendliche aus dem BAZ hatten bereits seinerzeit zu den Werkzeugen gegriffen, als es galt, den betagten O-Bus als Treff für den Spielplatz auf der Flandernhöhe überhaupt erst fit zu machen.
Mittlerweile ist der Bauzaun wieder weg und der Bus wieder zugänglich. Die BAZler haben die Außenhaut neu gestaltet und werden noch in diesem Jahr in einem zweiten Arbeitsgang den Innenraum etwas aufmöbeln und einige einfache Sitzmöglichkeiten anbringen. Dann steht der Oldtimer als witterungsgeschützter Aufenthaltsraum und Treffpunkt wieder bereit.
"Objekte wie der alte O-Bus sind einerseits identitätsstiftend für unsere Spielplätze, andererseits ist die Aufrechterhaltung eines verkehrssicheren Zustandes mit erheblichem Aufwand verbunden", so Grünflächenamtsleiter Burkhard Nolte. Der Bus erfordere immer wieder Reparaturen. Umso mehr freue man sich "über die stets kooperative Unterstützung und Hilfe" aus dem BAZ. Sie komme direkt den Kindern und Jugendlichen vor Ort zugute.
 

Der ehemalige SVE-Obus 13                     Foto: Bulgrin (EZ)

EWO / Filder Woche

29.09.2006

 

"Wir leben in Oberesslingen“

Städtischer Verkehrsbetrieb: Alleskönner Duo-Bus wird durch die neue Generation O-Bus ersetzt

Rudolf Obenland ist der Werkleiter des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE) und damit Herr über insgesamt 41 Fahrzeuge. Mit ihnen befördert der Verkehrsbetrieb jährlich circa 9,2 Millionen Fahrgäste. Zum Fuhrpark gehören 26 reine Dieselbusse, noch fünf Duo-Busse, die zwischen Oberleitung und Dieselbetrieb wechseln können, neun Oberleitungs-busse und ein Kleinbus. "Allerdings müssen wir den Fahrzeugbestand erhöhen, da die Fachhochschule Esslingen und die Pädagogische Hochschule Esslingen fusionierten und Studenten jetzt öfter zu den verschiedenen Gebäuden pendeln müssen. "Die Standard-dieselbusse stammen zum Teil noch aus dem Jahr 1992 und später und werden seit 2000 nach und nach durch die neuen Citaro-Busse ersetzt. "Die neuen Busse sollen eine attraktive Alternative zum Individualverkehr bieten", erläutert Rudolf Obenland. Die 13 Standardbusse verfügen bei etwa zwölf Metern Länge über 45 Sitzplätze und 54 Stehplätze. Die größeren Gelenkbusse haben 50 Sitzplätze und ca. 92 Stehplätze, mit 18 Metern Länge und drei Achsen eignen sie sich besonders für hohes Fahrgastaufkommen, erklärt Obenland. Der neueste elektrisch angetriebene Obus, ein Van-Hool-Gelenkbus mit Kiepe-Elektrik, wurde am 28. Juni 2002 erstmals im Linienbetrieb (Linie 101 und 118) eingesetzt. Auf fast 18 Metern Länge bietet er Platz für 45 Sitz-und 98 Stehplätze.

Alleskönner ,Duo-Bus' wird langsam außer Betrieb gehen

Der Duo-Bus kann sowohl innerhalb des Oberleitungsnetzes mit Strom sowie mit einer anderen Antriebsart fahren. Anfang der siebziger Jahre wurde er als Folge der Ölkrise im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Bundesministeriums für Forschung und Technologie entwickelt. Je nach Bedarf konnten die ersten Duo-Busse von Oberleitung auf Batterieantrieb wechseln. Umsteigen an der Endstation des Netzes war also nicht mehr nötig. Durch den Batterieantrieb hoffte man zudem, auf den teuren Ausbau des Oberleitungsnetzes verzichten zu können. "Der Duo-Bus sicherte den Erhalt des Obus-Systems", weiß der Werkleiter. 1975 konnten die ersten Busse ihren Betrieb aufnehmen. "Da sich der Batteriebetrieb wegen des Wartungsaufwands und der kurzen Lebensdauer der Batterien sehr schnell als zu teuer erwies, wurden die Duo-Busse weiterentwickelt und erhielten statt der Batterie einen Dieselantrieb", so Obenland. "Ein moderner Duo-Bus besitzt zwei voneinander getrennte Antriebe, den herkömmlichen Dieselantrieb und den Elektroantrieb; mit rund 60 Sitz- und 90 Stehplätzen kann er viele Passagiere zu ihrem Fahrziel befördern." Diese Fahrzeuggeneration wurde Anfang 2002 durch den modernen Obus, der am Anfang nur elektrisch betrieben wurde, Schritt für Schritt ersetzt. Vorteile dieser neuen Obusgeneration seien unter anderem auch die geringere Umweltbelastung und die günstige Motorcharakteristik mit hoher kontinuierlicher Zug- und Bremskraft. "Ein weiterer Vorteil dieser Busse ist, dass er sehr wenig Geräusche beim Halten, Anfahren und Fahren macht. Es war beeindruckend, als mich einmal eine Frau im Bus gefragt hat, ob wir denn schon fahren würden", erinnert sich der Werkleiter. Neben Solingen und Eberswalde gehört Esslingen zu den drei Städten in Deutschland, die noch O-Busse einsetzen. Im Ausland, beispielsweise in Salzburg, Zürich oder Athen und in östlichen Ländern Europas seien Obusse weit verbreitet.

Für die Zukunft wünscht sich Rudolf Obenland noch mehr Obus-Verkehr als Alternative auf den Straßen Esslingens. Den "Kostenstand" möchte er außerdem so halten, wie er augenblicklich ist, "auch wenn man manche Dinge nicht beeinflussen kann". Und ganz besonders stolz ist er auf seine Mitarbeiter, "die wissen, was für einen verantwortungsvollen Beruf sie ausführen".
Stuttgarter Zeitung

06..07.2006

 

Das Defizit ist ein hartnäckiger Fahrgast ▪ Oberleitungsbusse helfen Diesel sparen ▪
Beim Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen haben Mehrbelastungen zu Buche geschlagen

ESSLINGEN. Trotz des Minuszeichens vor dem Betriebsergebnis des vergangenen Jahres herrscht beim Städtischen Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) keine Krisenstimmung. Im Gegenteil. Das kommunale Nahverkehrsunternehmen setzt konsequent auf Leistungsverbesserungen.

Von Helmar M. Heger


Es hat Jahre gegeben, da sind den Mitgliedern des Esslinger Gemeinderats angesichts des vom SVE eingefahrenen Defizits die Haare zu Berge gestanden. 1993 beispielsweise musste die Stadt einen Abmangel von 7,9 Millionen Euro abdecken. Mittlerweile - das Defizit ist auf 3,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesunken - puffern Fondserträge die Miesen ab. Die Anlage des Erlöses aus dem Verkauf der Neckarwerks-Aktien sorgt unter anderem dafür, dass der städtische Haushalt den SVE nicht mehr alimentieren muss. Wenigstens vorläufig noch. Das jetzt zu Buche schlagende Defizit nähert sich einer Grenze, deren Überschreiten die Stadt wieder zwingen könnte, zuzubuttern.

Deshalb, betont Finanzbürgermeister Bertram Schiebel, habe sich der SVE nicht nur auf die qualitative Verbesserung des Leistungsangebots, sondern auch auf die "Deckelung des Betriebsdefizits" konzentriert. Nicht vorhersehbare finanzielle Mehrbelastungen hätten es nicht leicht gemacht, den Verlust in bestimmten Grenzen zu halten. SVE-Werksleiter Rudolf Obenland nennt in diesem Zusammenhang die gestiegenen Preise für Dieselkraftstoff und höhere Fahrzeugmieten, die den Aufwand um 380 000 Euro in die Höhe getrieben hätten. Zusätzlichen Finanzaufwand haben auch die Unterhaltung von über 300 Haltestellen, die Ausweitung von zwei Linien für den Schulverkehr und die Stabilisierung der Linie 105 zum Hochschulzentrum gefordert. Auch mutwillige Zerstörungen an Haltestellen und Bussen belasten das Ergebnis. Der SVE musste für die Beseitigung der Schäden 165 000 Euro hinlegen. Äußerst zufrieden zeigen sich Schiebel und Obenland, dass es dem SVE gelungen ist, bei den Tarifverhandlungen im vergangenen Jahr eine einvernehmliche Lösung für alle Beteiligten zu erzielen. Durch den von 2007 an gültigen Bezirkstarifvertrag Nahverkehr Baden-Württemberg ist ein niedrigeres Lohnniveau für neue Mitarbeiter in Sicht. Das werde es ermöglichen, hofft Schiebel, "zusätzliche Belastungen durch Leistungsausweitungen auszugleichen".

Den Vergleich mit anderen kommunalen Nahverkehrsunternehmen braucht der SVE nach Schiebels Meinung nicht zu scheuen. Mit einem Kostendeckungsgrad von rund 80 Prozent rangieren die Esslinger acht Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Auch beim Wagenpark wird auf Modernisierung gesetzt. Durch die Beschaffung von zwei Niederflurbussen wuchs der Fahrzeugneubestand beim SVE auf 28 Busse. Das Durchschnittsalter der Busse liegt inzwischen bei sechs Jahren. Obenland: "Damit liegen wir im Kennzahlenvergleich sehr gut. Nach einer Studie des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen liegt das Durchschnittsalter zwischen sechs und acht Jahren".

Die fünf Duobusse (Diesel-/Elektroantrieb) haben bald ausgedient. Spätestens 2007 werden sie ausgemustert. "Sie rechnen sich nicht", sagt Schiebel. Festgehalten wird dagegen am Nachttaxi, dessen Benutzung pro Fahrgast mit etwa drei Euro subventioniert wird. Die Zahl der Nachttaxikunden ist im Vorjahr auf über 1600 geklettert. Obenland: "Das ist noch steigerungsfähig."

Von der Verjüngung der SVE-Busflotte sind auch die Oberleitungsbusse nicht ausgenommen worden. Neun neue so genannte Obusse (Stückpreis eine Million Euro) verkehren auf den Esslinger Tallinien. Der Einsatz der umweltfreundlichen Elektrofahrzeuge (Obusse verkehren in Esslingen seit 1944) hilft dem SVE pro Jahr rund 200 000 Euro Ausgaben für Dieseltreibstoff zu sparen. Im Schnitt werden auf den SVE-Linien und der END-Strecke auf die östlichen Filder täglich rund 18 000 Fahrgäste gezählt. Zusammen mit den Fahrzeugen der privaten Busbetreiber werden im Esslinger Stadtgebiet pro Tag etwa 37 400 Fahrgäste befördert. Die Busse des SVE legen im Jahr ungefähr 2,3 Millionen, die der Privaten rund 2,1 Millionen Kilometer zurück. Im Vergleich der Jahre 2004 und 2005 kann der SVE eine gestiegene Verkehrsleistung verbuchen: Die Zahl der Platzkilometer pro Einwohner ist von 850 auf 1036 geklettert.
Eßlinger Zeitung

07./08.01.2006

 

 

Der Duo-Bus ist 2008 museumsreif

ESSLINGEN: Ein ehemals innovatives Konzept ist in die Jahre gekommen - Dieselfahrzeuge sind auf dem Vormarsch - von Christian Dörmann - [Kommentare in Klammern von R. Kiebler]

In Esslingen neigt sich eine Ära dem Ende zu, deren Anfänge bis in das Jahr 1975 zurückreichen. Damals startete das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie geförderte Vorhaben "Duo-Bus", indem ein Dieselfahrzeug [Hybridbus] zu einem Versuchsträger umgebaut wurde. Nach dem derzeitigen Stand der Planung wird der letzte Esslinger Duo-Bus 2008 seine Fahrt ins Stuttgarter SSB-Museum antreten.

Nicht zuletzt dem Einsatz des damaligen Bundesforschungsministers Volker Hauff war es zu verdanken, dass Esslingen zur Teststrecke für eine neue Technologie wurde: ein Bus, der sowohl über einen Diesel- als auch über einen Elektromotor verfügte [zunächst Batterie/Netz]. Dadurch konnte das Fahrzeug auch unabhängig von Oberleitungen fahren. Begünstigt wurde die weitere Entwicklung damals von der zweiten Ölkrise im Jahr 1979 und von dem Bestreben, sich ein Stück weit aus der Abhängigkeit vom Erdöl zu lösen. Aber auch der Umweltschutz spielte bei den Überlegungen eine zentrale Rolle.

Zollberg als Teststrecke

Hauff, dessen Nähe zu Esslingen mit seiner Schulzeit in der ehemaligen Reichsstadt zusammenhängt, stieß allerdings nicht nur auf ungeteilten Beifall, als 1979 das Forschungsvorhaben "Vorbereitung und Durchführung eines Duo-Bus-Referenzbetriebes in Esslingen a. N." anlief. Dabei hatte sich die Strecke über den Zollberg ob der anspruchsvollen Topographie als besonders geeignet herausgestellt, die neue Technologie auf Herz und Nieren zu prüfen. Bis Ende 1977 [Feb. 1978] war dort noch die Straßenbahn auf der Linie Esslinger Bahnhof-Zollberg-Nellingen-Denkendorf gefahren.

"Vom Konzept her war der Duo-Bus sehr gut", sagt Rudolf Obenland, Werksleiter des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE). Doch mittlerweile sei die Technik veraltet, die Fahrzeuge hätten ein sehr hohes Gewicht - dennoch schwärmt Obenland von der "enormen Kraft" des Elektromotors, die ein sehr komfortables Fahren ermögliche.

Die Duo-Bus-Technologie hat wesentlich zur Entwicklung der Infrastruktur für die heutigen O-Busse beigetragen, bei denen es sich um reine Elektro-Fahrzeuge handelt. Dabei war 2001 die Entscheidung im Gemeinderat, auf einigen Linien auch künftig den Elektroantrieb zu nutzen, keineswegs unumstritten. Es wurde über Gasantrieb diskutiert und selbst der Abriss der alten Oberleitungen war im Gespräch. Rund fünf Millionen Euro hätte es gekostet, die Oberleitungen und Masten abzubauen, was übrigens dem Betrag entspricht, den der SVE inzwischen für neun neue O-Busse ausgegeben hat. Tatsächlich blieben an der Stadt nur knapp vier Millionen Euro hängen, der Rest kam über Zuschüsse nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz.

Von den ursprünglich 19 Duo-Bussen sind heute noch fünf in Betrieb und bedienen teilweise schon im Wechsel mit Dieselfahrzeugen die Linien 101 (zwischen Lerchenäcker und Bahnhof Obertürkheim), 118 (Bahnhof Esslingen-Zollberg), 119 (Bahnhof Esslingen-Denkendorf) und 120 (Bahnhof Esslingen-Neuhausen). Der momentane Investitionsplan sieht vor, dass die Zeit der Duo-Busse im Jahr 2008 endet. Jedes Fahrzeug hat bis zu seiner Ausmusterung 13 bis 14 Jahre und rund eine Million Kilometer auf dem "Buckel". Als Ersatz werden Dieselbusse angeschafft, denn an eine weitere Elektrifizierung, etwa der Stecke nach Nellingen und Denkendorf, ist unter den gegebenen finanziellen Verhältnissen nicht zu denken. Und so wird sich der elektrische Betrieb mit O-Bussen auf die Linien 101 und 118 konzentrieren.

"O-Bus ist moderne Technologie"

Für Obenland stellt der O-Bus "eine absolut moderne Technologie" dar und Beispiele aus anderen Städten und Ländern bestätigen ihn in seiner Auffassung, wonach der O-Bus ein zukunftsträchtiges Konzept darstellt. In Solingen sind mehr als 100 [40] solcher Fahrzeuge unterwegs und auch in Eberswalde (Brandenburg), Deutschlands ältestem O-Bus-Betrieb, setzt man weiterhin auf den Strom. Gleiches gilt für Städte in der Schweiz, in Frankreich, Holland, Griechenland und in den meisten ehemaligen Ostblock-Staaten.

[Abbildungen: Duo-Bus 305 am 01.06.1979 während der Präsentation auf dem Marktplatz und Duo-Bus OE302 während einer Präsentationsfahrt in Kaiserslautern]

Eßlinger Zeitung

19.02.2005

Rubrik "Aufgeschnappt"

 

 

Der Sonderfall Esslingen: Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Berliner "Arbeitsgemeinschaft Blickpunkt Straßenbahn" (www.blickpunktstrab.net) ihren neuen Straßenbahnatlas. Da sie "durch elektrischen Antrieb und Spurabhängigkeit sehr nah mit der Straßenbahn verwandt sind", wie der Verein erläutert, nahm er darin auch den O-Bus mit auf. Somit fand Esslingen mit zwei Seiten Eingang in das knapp 300-seitige, von lauter Ehrenamtlichen minutiös recherchierte Werk.

Neben der Neckarstadt gibt es inzwischen nur noch zwei weitere deutsche Städte mit O-Bussen: Solingen und das brandenburgische Eberswalde. Alle anderen der früheren rund 70 Betriebe wurden eingestellt. Auch Österreich hat mit Linz, Innsbruck und Salzburg nur noch drei Betriebe vorzuweisen. Ganz anders in der Schweiz, dort sind es stolze 15: Deren umweltfreundliche Obusse fahren schließlich steuerfrei wie eine Straßenbahn. Aber für so etwas wäre unser Hans Eichel wohl kaum zu gewinnen.

Eßlinger Zeitung

30.08.2004

 

Einziger Strombus ist seit 60 Jahren unterwegs

ES-Oberesslingen: Oberleitungsbus von Obertürkheim bietet besonderen Fahrkomfort und schont die Umwelt

Obertürkheim ist umrahmt vom Melacturm und der Grabkapelle auf dem Württemberg. Aber neben den historischen Bauten prägt auch ein ganz besonderes Verkehrsmittel das Stadtbild: der Oberleitungsbus. Das strombetriebene Fahrzeug verbindet seit nunmehr 60 Jahren Obertürkheim und Esslingen. 

Von Alexander Müller

Der Oberleitungsbus hat eine große Tradition. 65 Städte und Gemeinden setzten nach dem Krieg auf die Straßenbahn auf Rädern. Doch das Bild hat sich gewandelt. Heute kurven die modernen Nachfolger nur noch in drei deutschen Städten: in Solingen, Eberswalde und eben in Esslingen/Obertürkheim. 

Die Idee war zum größten Teil aus der Not heraus geboren. Weite Teile der Schienenstränge waren zerstört, weiß der stellvertretende Werkleiter des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE), Günther Veith. So wurde die Idee des Oberleitungsbusses, liebevoll nur Obus genannt, geboren. 

Aber nicht nur in der alten Reichsstadt, sondern auch in Stuttgart machten sich die Experten Gedanken über eine Umstrukturierung des öffentlichen Nahverkehrs. Schon 1939 wurde die Straßenbahnlinie 2, die damals vom Westbahnhof zum Frauenkopf führte, stillgelegt. Die Gleise wurden an anderer Stelle benötigt. Man musste Stahl sparen, um Waffen zu bauen, erklärt Hans-Joachim Knupfer von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) den Hintergrund. Auch die Strecke zur damaligen Endhaltestelle Charlottenbuche, dem heutigen Birkenkopf, war außer Betrieb. Dort wurde 1939 ein Versuch mit einem Obus gestartet. Schnell stellte sich aber heraus, dass das neue System für Stuttgart letztlich kein Thema war, so Knupfer. Die Investition in das teure Oberleitungsnetz wäre nicht wirtschaftlich gewesen. Sehr wohl aber für Esslingen. Vor der Wahl stehend, entschied man sich damals für das neue Nahverkehrsmittel. Sie sind flexibler als ein starres Schienenfahrzeug, weiß Veith. Einmal am Haken, hat der Bus einen seitlichen Spielraum von bis zu drei Metern, bis der Stromabnehmer den Kontakt verliert. Für Notfälle kann ein kleiner Dieselmotor kurze Strecken überwinden, bis der Kontakt zur Oberleitung wiederhergestellt ist.

Am 10. Juli 1944 fiel der Startschuss. Heute sind insgesamt neun solcher Busse im Einsatz: auf der Linie 101 von Obertürkheim nach Oberesslingen (Lerchenäcker) und vom Esslinger Bahnhof auf den Zollberg (Linie 118). Als Pendler zwischen den Stadtgrenzen ist der Obertürkheimer der einzige strombetriebene Bus Stuttgarts. Die Fahrgäste heben vor allem den besonderen Komfort der Obusse hervor. Unliebsame Schaltbewegungen und auch der Motorenlärm fallen weg. Leise und gleichmäßig bewegt sich der Bus. Der Komfort ist vergleichbar mit einer S-Bahn, weiß Veith. Dabei sind die Obusse auch noch umweltschonend. Da der Strom die Energie liefert, fallen die Abgase weg. Und die neue Generation der Obusse präsentiert sich als wahre Energiesparer: Der Verbrauch wurde von 3,7 auf zwei Kilowattstunden pro Kilometer gesenkt. Daher setzt der SVE weiter auf die Obusse. Die Zukunft ist gesichert. Da der Obus rechtlich als Straßenbahn gilt, läuft die Betriebsgenehmigung bis ins Jahr 2024. Auch der Umwelt zuliebe.  

Denn der Obus ist trotz seiner betagten Technik aktueller denn je. Der Verkehrsdino gewinnt in Zeiten der steigenden Spritpreise und des zunehmenden Treibhauseffekts wieder an Bedeutung. Das weiß man auch in Stuttgart. Doch in der Landeshauptstadt geht man andere Wege. Die Brennstoffzelle ist aus ökologischer Sicht die Zukunft des Nahverkehrs, so Knupfer. Drei Busse mit dieser Antriebsart sind schon in Stuttgart unterwegs. Doch ihre Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit muss die Brennstoffzelle im täglichen Test erst noch beweisen. Diesen Beweis hat der Obus schon lange angetreten.

 

Stuttgarter Zeitung

16.07.2004

 

Esslinger Busse auf der Überholspur

Gutes ÖPNV-Angebot ist der Stadt 3,2 Millionen Euro wert - Kostendeckung liegt bei 80 Prozent

Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) hat seinen Betriebsverlust im vergangenen Jahr auf gutem Niveau stabilisiert. Für rund vier Millionen gefahrene Buskilometer hat die Stadt letztlich 3,2 Millionen Euro draufzahlen müssen.

Von Thomas Schorradt

Der Spagat zwischen Leistungsqualität und Kosten ist dem 150 Mitarbeiter zählenden Eigenbetrieb der Stadt damit nach Einschätzung des zuständigen Bürgermeisters Bertram Schiebel wieder gelungen. "Der Verkehrsbetrieb liefert, gemessen an den bundesweiten Vergleichszahlen, eine weit überdurchschnittliche Arbeit ab", kommentierte Schiebel anlässlich der Bilanzpressekonferenz gestern das Betriebsergebnis. Das ist nicht immer so gewesen. Noch zu Beginn der 90er Jahre hatte der Verkehrsbetrieb jährlich ein Minus von rund 8,3 Millionen Euro eingefahren. Jetzt arbeitet der Betrieb mit einem Kostendeckungsgrad von rund 80 Prozent. Zum Vergleich: in den alten Ländern decken die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf gerade mal 72 Prozent der Kosten, in den neuen Bundesländern gar nur 65 Prozent.

Der Städtische Verkehrsbetrieb selbst unterhält vor allem die Linien im Neckartal. Die Talhänge werden von den Partnerunternehmen Schlienz, Schefenacker und Fischle erschlossen, die allerdings auf Rechnung und unter Regie des SVE unterwegs sind. Insgesamt haben die Esslinger Busse im vergangenen Jahr 4,3 Millionen Kilometer zurückgelegt. 9,5 Millionen Fahrgäste, das sind täglich rund 35 000, haben das öffentliche Beförderungsangebot, das ihnen von rund 100 Busfahrern gemacht wird, wahrgenommen.

Eine der Hauptursachen für die günstige Kosten-Leistung-Bilanz ist nach Schiebels Einschätzung die Stagnation bei den Personalkosten. Weniger Fehlzeiten und eine Reduzierung der Überstunden habe hier die Tarifsteigerungen aufgefangen. Neue Angebote, wie die kürzere Vertaktung der Linie 112 nach Wiflingshausen, gingen dagegen immer ins Geld. "Allein dieser neue Takt kostet uns 120 000 Euro im Jahr", sagt Schiebel. Trotzdem weiß er sich, was die Wertschätzung eines engmaschigen Busnetzes angeht - für 90 Prozent aller Einwohner im SVE-Einzugsbereich liegt die nächste Bushaltestelle weniger als drei Kilometer entfernt - mit Oberbürgermeister Jürgen Zieger einig. "Ein guter öffentlicher Personennahverkehr ist ein wichtiger Standortfaktor für Esslingen", zitiert Schiebel den Verwaltungschef.

Damit das so bleibt, will der SVE auch weiterhin in seinen Fuhrpark investieren. Laut Werkleiter Rudolf Obenland sind im vergangenen Jahr fünf neue Niederflurbusse in Betrieb gegangen. Im laufenden Jahr sollen noch einmal fünf, im kommenden dann weitere zwei Wagen hinzukommen. Damit die neuen Fahrzeuge auch ordentlich durchstarten können, will die Stadt demnächst ein 1,9 Millionen Euro teures Programm für die Busbeschleunigung auflegen. Mit dem Geld, 1,6 Millionen Euro davon kommen aus dem Fördertopf des Landes, werden 108 Ampelanlagen und 93 Busse mit einer eingebauten Vorfahrt für den öffentlichen Verkehr ausgerüstet. "Die Beschleunigungsstreifen sind Voraussetzung für die Einführung des integralen Taktfahrplans und sorgen dafür, dass die Busse pünktlicher und schneller ans Ziel kommen", sagt Obenland.

Auf den großen Wurf des Esslinger Verkehrsgutachtens, auf einen neuen Zentralen Omnibusbahnhof und den Umbau des gesamten Bahnhofsbereichs, muss die Esslinger Buskundschaft allerdings noch ein Weilchen warten. "Ich bin ziemlich skeptisch, ob wir den Termin 2008 einhalten können", sagt Schiebel - auch im Hinblick auf die in immer kürzeren Abständen zusammengestrichenen öffentlichen Zuschüsse für Bauprojekte in dieser Größenordnung.

Stuttgarter Zeitung

07.07.2004

 

40 Arbeitsplätze von Esslingens Busfahrer bis 2015 gesichert

Der Vertrag zwischen den Esslinger Verkehrsbetrieben und der
Verkehrsgesellschaft END wird vorzeitig verlängert


von Kai Holoch

Für die Städtischen Verkehrsbetriebe Esslingen (SVE) ist es ein Stück Planungssicherheit. Aber auch die Partner in der Verkehrsgesellschaft Esslingen, Nellingen, Denkendorf (END) profitieren vom nun ausgehandelten Vertrag.

Der Name END, der für Esslingen, Nellingen und Denkendorf steht, weist weit in die Vergangenheit. Als vor rund 80 Jahren die Verkehrsgesellschaft gegründet wurde, hat noch niemand an Ostfildern gedacht. Heute haben in dem Verkehrsbetrieb, der sich um den ÖPNV im östlichen Filderraum kümmert und der die Buslinien 119, 120, 121, 122 und 131 betreibt, auch andere ein Mitspracherecht. Die Stadt Esslingen hält mit 37,5 Prozent zwar die größten Anteile, aber wenn die anderen Partner - Ostfildern hält 25 Prozent, Neuhausen, Denkendorf und die SSB je 12,5 Prozent - nicht wollen, dann wird es für Esslingen eng.

Deshalb ist Esslingens Finanzbürgermeister Bertram Schiebel auch hochzufrieden, dass es bereits jetzt gelungen ist, den Ende 2007 auslaufenden Vertrag der Städtischen Verkehrsbetriebe Esslingen mit der END bis zum Ende des Jahres 2015 zu verlängern. Zwar müssen die beteiligten Gemeinden noch im Laufe des Julis zustimmen. Das wird aber wohl nur noch eine Formsache sein, zumal im END-Aufsichtsrat Vertreter aller Kommunen sitzen und das Gremium einstimmig den neuen Vertrag befürwortet hat. 
Der Vertrag ist für den SVE von zentraler Bedeutung. Denn während zwei Linien, die 122 vom Flughafen nach Esslingen und die 131 von Esslingen zum Krankenhaus nach Ruit, von privaten Anbietern betrieben werden, sind für die drei anderen die SVE verantwortlich. Die Linie 119 verkehrt von Neuhausen über Nellingen nach Esslingen, die 120 von Denkendorf über Nellingen ins Neckartal, und die 121 macht einen Schlenker durchs Körschtal. Rund 40 der 110 Busfahrer-Arbeitsplätze der SVE hängen an dem Vertrag. Dazu kommen weitere Stellen in den Werkstätten und in der Verwaltung. Hätte die END den Vertrag nicht verlängert, man wäre in Esslingen um betriebsbedingte Kündigungen nicht herumgekommen.

Und ganz sicher war es nicht, dass die END auch in Zukunft auf die SVE als Partner setzen würden. Denn der öffentliche Nahverkehr ist ein Zuschussgeschäft - auch auf den östlichen Fildern. 500.000 Euro müssen die Gemeinden alljährlich beisteuern, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Private Anbieter, die ihre Nebenkosten bereits auf anderen Linien abgedeckt haben, können solche Zusatzleistungen natürlich günstiger anbieten.

Doch zwei Dinge haben den END-Aufsichtsrat schließlich überzeugt. Zum einen haben sich die SVE, wenn auch zähneknirschend, bereit erklärt, erhebliche Kosteneinsparungen vorzunehmen - bis zum Jahr 2008 werden die Verkehrsbetriebe auf eine Kostenanpassung, sprich eine Erhöhung des Zuschussbedarfs, verzichten. Zum anderen hat ein Gutachten ergeben, dass, legt man eine Vollkostenrechnung, also inklusive aller Nebenkosten, zu Grunde, das SVE-Angebot üblichen Marktpreisen entspricht.

Ende des Jahres sollen die Verträge unterzeichnet werden. Bertram Schiebel ist schon jetzt zufrieden: "Der neue Vertrag schafft Planungs- und Arbeitsplatzsicherheit." ´Zudem wisse man nun in Esslingen, dass es sich auch weiterhin lohne, zu investieren und den Fahrzeugpark zu verbessern.
Eßlinger Zeitung

29.06.2004

 

In Oberesslingen droht ein Verkehrschaos

ESSLINGEN: Kanäle in der Schorndorfer Straße müssen erneuert werden - Baubeginn Anfang 2005 geplant

Von Kornelius Fritz 

Verkehrsbehinderungen und Staus sind in der Schorndorfer Straße in Oberesslingen an der Tagesordnung. Spätestens Anfang nächsten Jahres dürfte sich die Situation dort noch verschärfen. Weil die Abwasserkanäle marode sind, muss die komplette Straße aufgerissen werden. Die Bauarbeiten werden nach Einschätzung des Tiefbauamtes etwa neun Monate dauern.

Die Schorndorfer Straße ist die wichtigste Verbindung zwischen Esslingen und den Schurwaldgemeinden und gehört zu den meist befahrenen Straßen der ganzen Stadt. An die 30 000 Fahrzeuge, darunter viele Lastwagen, rollen hier täglich entlang. Außerdem wird die Strecke von mehreren Buslinien befahren. "Die Straße schluckt den Verkehr schon jetzt nicht mehr", klagt Gisela Arnold-Schäfer, Vorsitzende des Bürgerausschusses Oberesslingen. Wie es dort zugehen wird, wenn in einigen Monaten die Bagger anrollen, will sie sich gar nicht ausmalen: "Dann gibt es ein Chaos."

Doch das städtische Tiefbauamt hat keine Wahl, denn eine Untersuchung mit ferngesteuerten Kameras hat gezeigt, dass die Kanäle an vielen Stellen zerstört sind. "Wir sind gesetzlich verpflichtet, den Schaden innerhalb von einem Jahr zu beheben, weil dort Abwasser in den Untergrund fließt", erklärt Wolfgang Klaus, stellvertretender Leiter des Tiefbauamtes. Die Kanäle sind hier fast 100 Jahre alt. Die Zerstörung der Leitungen ist so massiv, dass eine Sanierung nicht mehr möglich ist: Die Kanäle müssen deshalb komplett erneuert werden. Zu allem Überfluss ist dies in der Schorndorfer Straße auch noch deutlich aufwändiger als anderswo: Weil in der Mitte der Straße der verdolte Hainbach fließt, gibt es hier nämlich nicht nur einen, sondern zwei getrennte Abwasserkanäle - auf jeder Straßenseite einen. Das macht die Bauarbeiten langwierig und teuer. Klaus rechnet mit neun Monaten Bauzeit und Kosten in Höhe von einer Million Euro. Baubeginn soll Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres sein. Bis dahin muss dann auch geklärt sein, wie das drohende Verkehrschaos verhindert werden soll. "Wir wollen, dass der Verkehr während dieser Zeit auf zwei Fahrspuren weiterfließen kann", sagt Klaus. Um Staus zu reduzieren, sollen die Arbeiten in mehreren Teilabschnitten durchgeführt werden, außerdem sollen die Bauarbeiter nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten anrücken. Mit Hinweisschildern an der B 10 will man zudem erreichen, dass Autofahrer, die zum Beispiel ins Remstal wollen, auf andere Strecken ausweichen.

Auf größere Behinderungen müssen sich die Verkehrsteilnehmer aber wohl in jedem Fall einstellen. Auch deshalb, weil eine örtliche Umleitung kaum möglich ist: In der näheren Umgebung gibt es nur Anwohnerstraßen, die große Pendlerströme nicht verkraften würden. Außerdem ließe sich der Busverkehr schon deshalb nicht verlegen, die Linie 101 mit Oberleitung fährt. "Wenn die Busse dort nicht fahren könnten, sähen wir alt aus", weiß Rudolf Obenland, Werksleiter des Städtischen Verkehrsbetriebs; denn eine Alternative zu den O-Bussen gebe es nicht. Doch es könnte gefährlich werden, wenn direkt unter den Stromleitungen die Bagger arbeiten. "Wenn wir Pech haben, müssen wir die Leitungen verlegen", befürchtet Wolfgang Klaus. Diese Fragen müssen nun zunächst geklärt werden, im August soll der Auftrag für die Arbeiten dann offiziell ausgeschrieben werden.

Eßlinger Zeitung

20.04.2004

(Auszug)

 

 

Planer verabschieden sich vom Busboulevard

Esslingen: Auftakt für Ausbau der Neckarstraße

Von Hermann Dorn

Von einem Busboulevard ist keine Rede mehr, wenn morgen der Ausbau der Neckarstraße beginnt. Zur neuen Bescheidenheit gehört, dass sich das Tiefbauamt im Bereich des Parkhauses Pliensauturm mit einem Belag aus Beton begnügt.

Im Vorfeld der eigentlichen Arbeiten erneuern die Stadtwerke das gesamte Leitungsnetz zwischen Sirnauer Straße und Fabrikstraße. Aus diesem Grund bleibt die Neckarstraße in diesem Bereich ab Mittwoch für Busse gesperrt. Ausnahmen bilden die Linien 101 und 118,  die mit Rücksicht auf die Oberleitungen nicht verlegt werden können. Für Fahrgäste der übrigen Linien ergeben sich Änderungen.

Geschäfte auf beiden Seiten der Neckarstraße (auch im Erdgeschoss des Parkhauses), Flaneure, anspruchsvolle Gestaltung: So stellten sich die Planer vor zehn Jahren die Zukunft der Neckarstraße im Bereich des Parkhauses vor. Ihre ehrgeizigen Vorstellungen fassten sie unter dem Arbeitstitel Busboulevard zusammen. Im aktuellen Haushalt, wo 320 000 Euro bereit stehen, taucht dieser Begriff noch einmal auf. Das Tiefbauamt hat sich von dieser Formulierung inzwischen aber verabschiedet. ,,Die aktuellen Pläne vermögen den Anspruch, der mit diesem Titel verbunden ist, nicht mehr einzulösen", erklärt die Sachbearbeiterin Michaela Braun die Entscheidung, nur noch von der Neckarstraße zu sprechen.

Das Konzept sieht für die künftige Haltestelle am Parkhaus einen Betonbelag vor, der vor Ort eingebracht wird. Auf einer Rundfahrt durch das ganze Land fand Michaela Braun heraus, dass nur diese Lösung dauerhafte Festigkeit garantiert. Für die Gehwege, die einen ebenerdigen Ein- und Ausstieg in die Busse ermöglichen, bereiten die Planer einen Pflasterbelag vor.

Mit dem Ausbau der Straße beugt das Rathaus der Gefahr vor, frühere Zuschüsse für die Arbeiten in der Maillestraße an das Land zurückbezahlen zu müssen. Eine weitere Verschiebung, wie sie im Gemeinderat zuletzt erwogen worden war, hätte die Stadtkasse mit 60 000 Euro belastet. Versüßt wird das Ja zu den neuen Belägen mit der Aussicht auf weitere Fördermittel in Höhe von 25 000 Euro.

In einem ersten Schritt verlegen die Stadtwerke ab morgen neue Wasser- und Gasleitungen. Die Arbeiten, die in vier Etappen erfolgen, dauern zehn Wochen. Im Anschluss beginnt der Ausbau der Straße. 

Einschränkungen für den Verkehr

Die Neckarstraße ist ab morgen zwischen Vogelsang- und Einmündung in die Ulmer Straße für Autos und Busse gesperrt. Die Haltestellen am Parkhaus werden nur noch von den Linien 101 (nach Oberesslingen) und 118 (nach Zollberg) bedient. Alle anderen Busse aus Richtung Bahnhof umfahren diesen Bereich vorübergehend ohne Halt. Für die Linien in Richtung Bahnhof gibt es in der Neckarstraße eine Ersatzhaltestelle (nach der Einmündung der Pliensaustraße). Unverändert bedienen alle Linien die Haltestelle an der Rampe zur Vogelsangbrücke.

Für Autos erfolgt die Zufahrt zur Sirnauer Straße und Wehrneckarstraße nicht mehr über die Neckarstraße. Ein Umbau der Verkehrsinsel ermöglicht eine direkte Zu- und Ausfahrt. Für Fußgänger steht nur noch der Gehweg entlang des Pliensauparkhauses zur Verfügung.

Eßlinger Zeitung

27.06.2003

 

Bester Abschluss für Verkehrsbetrieb

ESSLINGEN: Verlust sinkt auf Niveau von 1984

Von Hermann Dorn

Der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) hat 2002 das beste Ergebnis seit 1984 erzielt. Als wichtigste Kennzahl dient der Verlust. Er ist im Vergleich mit dem Vorjahr noch einmal um 250 000 Euro gesunken und betrug zuletzt noch 2,75 Millionen Euro. Ein zufriedener Bertram Schiebel erläuterte gestern der Presse das Ergebnis für 2002. "Wir haben die Kosten im Griff", stellte der Finanzbürgermeister fest, der für den öffentlichen Nahverkehr zuständig ist. Niedrige Kosten für die Verwaltung erwiesen sich beim Bemühen um einen guten Abschluss als hilfreich. Einen wichtigen Beitrag lieferten die Verhandlungen mit der Gewerkschaft über die Frage, wie der Tarifvertrag anzuwenden ist. Das Resultat beeinflusste die Personalkosten günstig. 

Der jüngste Jahresabschluss ist in Schiebels Augen umso höher zu bewerten, als er mit zusätzlichen Leistungen verbunden ist. Als Beispiel nannte er das Nachttaxi, das sich wachsender Beliebtheit erfreut. Mit einem neuen Fahrplan reagierte das Unternehmen auch auf die Forderung, Mettingen, Brühl und Weil besser zu bedienen. Fortschritte gibt es im Komfort für die 25 000 Fahrgäste, die täglich in die Busse steigen. Zuletzt leistete sich der Verkehrsbetrieb neun neue Obusse. 

Auch in Zukunft unternimmt der Verkehrsbetrieb große Anstrengungen, den aus 40 Fahrzeugen bestehenden Fuhrpark zu modernisieren. Im laufenden Jahr schickt Werkleiter Rudolf Obenland fünf neue Niederflurbusse auf die Strecke. Im nächsten Jahr kommen fünf weitere hinzu. Die Investitionen sorgen dafür, dass die Fahrgäste bequem in die Busse ein- und aussteigen können. Elektronische Ansagen und Anzeigen informieren über Haltestellen. 

Schiebel hob hervor, dass der Verkehrsbetrieb etwa 83 Prozent der Kosten selbst deckt. "Ein hervorragendes Resultat", meinte er mit Blick auf bundesweite Zahlen. Im Westen lag der Deckungsgrad durchschnittlich bei 71,4 Prozent, im Osten bei 64,4 Prozent, wobei diese Zahlen aus dem Jahr 2001 stammen. Nach diesem Vergleich stufte der Bürgermeister das jüngste Defizit als unvermeidbar ein. Einnahmen der Stadt aus Beteiligungen ermöglichen es, die Lücke ohne direkte Zuschüsse zu schließen. 

In Zukunft rechnet Schiebel mit steigenden Defiziten. "Die Vorschläge eines Gutachtens für zusätzliche Leistungen sind mit neuen Kosten verbunden", erklärte er und verwies auf die Absicht, die Verbindungen noch besser auf den Fahrplan der S-Bahn abzustimmen. Große Hoffnungen setzt er in den Umbau des Bahnhofplatzes. "Wenn die Busse näher an den Bahnhof rücken, bringt das für den öffentlichen Nahverkehr spürbare Fortschritte." Ein steigendes Defizit hält Schiebel für vertretbar. "Verkehrspolitisch und ökologisch ist unser Kurs richtig", erklärte er. Die finanziellen Folgen bereiten ihm wenig Sorgen. Aus dem Verkauf der Neckarwerke-Aktien hat die Stadt mehr als 30 Millionen Euro in einen Fonds gelenkt, mit dessen Erträgen die Verluste des Verkehrsbetriebs dauerhaft ausgeglichen werden. 

Festgehalten wird am Nachttaxi, das seit dem Jahr 2000 mit 5600 Euro unterstützt worden ist. Nach schleppendem Anlauf (108 Fahrgäste im ersten Jahr) schnellten die Zahlen hoch. 2002 traten 685 Kunden mit dem Nachttaxi den Heimweg an. 2003 setzt sich der Trend fort. Ende Mai wurde bereits das Ergebnis des gesamten Vorjahrs erreicht.

Stuttgarter Nachrichten

26.04.2003

(erschien auch in diversen anderen regionalen Tageszeitungen)

(siehe auch Leserbrief in den StN vom 09.05.03)

 

Der Bus am Haken

Die Trolleys prägen seit mehr als 60 Jahren das Esslinger Stadtbild und schonen die Umwelt [Betriebseröffnung am 10.07.1944]


Die Burg, die Stadtkirche und das alte Rathaus sind die Wahrzeichen Esslingens. Doch mehr noch als die historischen Bauten prägt ein Kuriosum das Stadtbild: der Oberleitungsbus. Waren es nach dem Krieg noch 65 Städte und Gemeinden, die auf die "Straßenbahn mit Lenkrad" schworen, so kurven die modernen Nachfolger heute nur noch durch Solingen, Eberswalde - und seit 1939 [1944] eben durch Esslingen.

Ein Saurier unter den modernen Nahverkehrsmitteln? Mitnichten. So setzt die Schweiz noch immer flächendeckend auf die Busse am Haken, die gemeinhin Trolley-Busse genannt werden, die Esslinger heißen sie schlicht O-Busse.

Fährt der oder steht der? Eines der Markenzeichen der modernen O-Bus-Generation ist der Fahrkomfort. Besucher staunen, wie geräuschlos sich die O-Busse in Bewegung setzen, wundern sich über die Laufruhe und ahnen dabei nur, dass auch die Umwelt profitiert, wenn nicht Diesel, sondern Strom die Energie liefert.

Und Rudolf Obenland, Werkleiter des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE), nennt beeindruckende Werte: So konnte der Stromverbrauch von 3,7 Kilowatt [kWh] pro Kilometer bei den alten Modellen auf jetzt 2,0 Kilowatt [kWh] oder weniger gesenkt werden. Ihr größtes Plus ist natürlich die Luftreinhaltung. Neun solche Energiesparer sind in Esslingen auf zwei Linien im Einsatz: auf der 101 von Obertürkheim nach Oberesslingen (Lerchenäcker) und auf der 118 vom Bahnhof auf den Zollberg.

Vor wenigen Monaten [2000] hat sich Esslingen dafür entschieden, an dem System festzuhalten. Nicht nur, weil mit dem Oberleitungsnetz die teure Infrastruktur bereits vorhanden ist. Sondern auch, weil die Fahrgäste von einem "Fahrkomfort wie in der S-Bahn" schwärmen. Busfahrer Markus Weinberg kann das nur bestätigen: "Bezogen auf die Niederflurtechnik einfach unschlagbar." Selbst ist er bekennender O-Bus-Fan, auch wenn sich die "Kapitäne" einer zusätzlichen einwöchigen Schulung unterziehen müssen, bevor es auf Tour geht. "Mit einem Auge ist der Blick immer auf der Leitung", nennt er eine Anforderung an den Fahrer. Denn an den Isolierstücken in den Weichen kann schon einmal Funkenflug entstehen, der in den Lack nachfolgender Pkws Löcher brennen würde.
 
Am Haken ist natürlich die Bewegungsfreiheit eingeschränkt: Maximal vier Meter nach rechts oder links kann ein O-Bus unter der Oberleitung ausscheren. Sonst klinken sich die Stromabnehmer aus, was zu einer unfreiwilligen Unterbrechung der Fahrt führen würde. Für Notfälle verfügen die modernen Gefährte aber über einen kleinen Dieselmotor:
"Damit man wenigstens noch runterkommt von der Kreuzung", sagt Werkleiter Obenland.

Für den Fahrer geht's dann ans neuerliche Einklinken der Stromabnehmer, was mit der inzwischen automatischen [manuellen] Eindrahtung ein Kinderspiel ist, wenn der Wagen wirklich mittig unter der Oberleitung steht. Wesentlich schwieriger gestaltete sich dieser Vorgang bei den so genannten Duo-Bussen, die Esslingen innerhalb der nächsten sechs bis sieben Jahre nach und nach vollends ausmustert: Dabei mussten die Fühler teilweise
noch mit einer Stange eingeklinkt werden. Duo-Busse haben den Vorteil, dass sie vom Oberleitungs- auf Dieselbetrieb umgestellt werden und somit überall betrieben werden können. Sie sind mit einem Preis von einer Million Euro aber teuer und gelten als anfällig.

Mit den O-Bussen kam Esslingen deutlich günstiger weg: Der SVE klinkte sich in eine große Lieferung ein (Athen hat für die Olympischen Spiele 135 Oberleitungsbusse desselben Typs bestellt) und kam damit auf einen Stückpreis von 550.000 Euro. Mit einkalkuliert werden muss bei dieser Rechnung auch die extreme Langlebigkeit der Trolleys: 15 Jahre mindestens werden ihnen zugebilligt, die Vorgänger hielten mehr als
20 Jahre, bis das Chassis durchgerostet war. Schließlich ist die Drehstromtechnik der Motoren "absolut ohne Verschleiß", sagt Rudolf Obenland.

100 Jahre ist es her, dass im früheren Königsberg (Ostpreußen) die ersten Oberleitungsbusse auf einer Strecke von 2,8 Kilometern eingesetzt wurden. [gemeint ist die 1901 eröffnete Strecke in Königstein (Bielathalbahn)]. Die Esslinger  haben sich seit 1939 [1944] an das Bild gewöhnt. Der O-Bus hat Geschichte.
Eßlinger Zeitung

12.12.2002

 

Schwarz beflaggt zur letzten Fahrt auf die Filder 

KREIS ESSLINGEN: Stadtmuseum erinnert in einer Ausstellung an die END-Straßenbahn - Museums-Team sucht Zeitzeugen und Objekte 

Von Dagmar Weinberg


Genau ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seitdem die Straßenbahn Esslingen-Nellingen-Denkendorf (END) zu ihrer letzten Fahrt aufbrach. Nun soll die Pendlerbahn im Stadtmuseum ein Comeback feiern, und das Museums-Team sucht Fotos, Objekte und vor allem auch Menschen, die sich an die legendäre Bahn erinnern. 

Zur Legende wurden die in Türkis und Weiß gestrichenen Wagen nicht zuletzt wegen der Strecke, die sie auf die Filder zurücklegten. Von Esslingen aus ging es über die Pliensaubrücke den Zollberg hinauf. "Diese Steigung und die vielen Kurven waren schon etwas Besonderes", berichtet Christian Rilling. Der studierte Historiker und Soziologe ist Volontär in den Esslinger Museen und bereitet die END-Schau vor, die Ende März im Gelben Haus am Hafenmarkt eröffnet werden soll. 

Freilich hat er sich auch in die Historie der Straßenbahn vertieft und herausgefunden, dass die Idee, Esslingen und die Filder per Schienen miteinander zu verbinden, bereits Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurde. Nicht nur die Esslinger Händler waren daran interessiert. Vor allem für die Arbeiter, die in der Neckarstadt ihr Brot verdienten, aber in den Fildergemeinden wohnten, sollte die Bahn von Nutzen sein. Der Erste Weltkrieg zerschlug dann aber alle Pläne. So startete der Filder-Express - nachdem eine Rampe auf die Pliensaubrücke gebaut worden war - 1926 zu ihrer Jungfernfahrt nach Denkendorf. Drei Jahre später wurde die Strecke bis Neuhausen erweitert. Die Wagen wurden übrigens von der Maschinenfabrik Esslingen gebaut. Ein letzter Wagen fährt heute noch bei der Rittner-Bahn in Südtirol. 

Ende der 60er Jahre wurde immer mal wieder die Forderung laut, die Straßenbahn aufs Abstellgleis zu schieben, "weil sie sich nicht mehr lohnte". Doch die Ölkrise 1973/74 verschaffte der Pendlerbahn eine Galgenfrist. In der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1978 kam dann aber das Aus. "Man hat mir erzählt, dass die Straßenbahn bei ihrer letzten Fahrt mit schwarzen Wimpeln und Fähnchen geschmückt war", berichtet der Museumsvolontär. Wer sich damals ein Stück des Trauerflors gesichert und es bis heute aufbewahrt hat, ist dem Museums-Team ebenso willkommen wie all jene, die mit Geschichten und Anekdoten zur Ausstellung beitragen können. "Wir suchen auch Fahrkarten, Schilder von Haltestellen, Fotos, Fahrpläne oder auch Teile der Innenausstattung." Mitunter schlummern in Fotoalben noch Bilder der letzten Fahrt der END. Denn die Eßlinger Zeitung lobte unter dem Motto "Wer schoss das originellste Abschiedsfoto?" einen Wettbewerb aus. 

Interessiert ist Christian Rilling auch an allem rund um die Aktion " Roter Punkt". Nachdem die END 1971 als erste Verkehrsgesellschaft in der Region die Preise erhöht hatte, gingen die Schüler auf die Straße und blockierten sogar die Straßenbahn. 

Wer etwas zum Gelingen der Ausstellung beitragen kann, sollte sich im Stadtmuseum, Hafenmarkt 7, 73728 Esslingen, 07 11/35 12-32 40 melden. Das Museum ist auch per E-Mail zu erreichen: museen@esslingen.de 

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Im Frühjahr 1978 wurde die END-Straßenbahn aufs Abstellgleis geschoben       Foto: R. Maggi

Stuttgarter Nachrichten

01.08.2002

Esslingen kauft neue O-Busse

Kostendeckungsgrad im ÖPNV überdurchschnittlich

Esslingen - Der städtische Verkehrsbetrieb (SVE) kommt immer mehr aus den roten Zahlen heraus - und das bei besseren Leistungen. Der Kostendeckungsgrad liegt in Esslingen bei 81 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt sind es nur 69 Prozent.


VON ANNETTE MOHL

"Darauf sind wir stolz", sagt Finanzbürgermeister Bertram Schiebel, der verantwortlich ist für den SVE. Weitere Sparmaßnahmen seien allerdings fürs kommende Jahr nicht geplant: "Wir wollen das Minus bei 3,3 Millionen Euro einfrieren." Zehn Jahre vorher, 1993, lag der Zuschussbedarf noch bei 6,2 Millionen Euro.

Schiebel und OB Jürgen Zieger verlieren bei aller Sparpolitik den volkswirtschaftlichen Nutzen des Nahverkehrs nicht aus den Augen. So wurde die Linie 102 nach Mettingen verlängert, wohlwissend, dass sie sich niemals rechnen werde. Und auch die Verbesserung des Taktes nach Wiflingshausen oder der Linie 108 lässt die Kosten eher klettern. Beide Maßnahmen sind aber Voraussetzung für die Umsetzung des neuen 
Verkehrskonzeptes mit dem Dreh- und Angelpunkt am Bahnhof. Dort wechseln schon heute täglich 30 000 Fahrgäste das Verkehrsmittel. Wenn 2007 schließlich der so genannte integrale Taktfahrplan in Kraft tritt, sollen zehn Prozent neue Nahverkehrsnutzer hinzugewonnen werden. Um das Konzept mit regelmäßigen und festen Abfahrtszeiten auf allen Linien und direkten Anschlüssen zwischen Bahn und Bus realisieren zu können, sind bereits im Vorfeld Veränderungen nötig. Darunter fallen neue Ampelschaltungen, über die die Busse bevorrechtigt sind, Wendemöglichkeiten und zusätzliche Fahrscheinautomaten. All diese Maßnahmen werden in den kommenden Jahren sukzessive realisiert, um nach Fertigstellung des neuen zentralen Omnibusbahnhofs "ungebremst durchstarten" (Schiebel) zu können.

Festhalten will Esslingen in seinem 40 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark an den Oberleitungsbussen: "Die Infrastruktur ist da", begründet SVE-Werkleiter Rudolf Obenland die Entscheidung. Die wenig umweltfreundlichen Duo-Busse, die den Wechsel von Oberleitung auf Dieselbetrieb erlauben, werden jedoch nach und nach abgeschafft. Bis Ende 2002 sollen auf den Linien 101 (Oberesslingen-Obertürkheim) und 118 (Esslingen-Zollberg) neun neue Trolleybusse statt der alten Duo-Busse verkehren.

Beste Erfahrung hat Esslingen mit dem in den Fahrplan integrierten Nachttaxi gemacht. Zwar wird jede Fahrt mit 3,2 Euro subventioniert, der erfreuliche Anstieg der Passagiere passt aber durchaus ins Konzept, insgesamt mehr Menschen für den öffentlichen Nahverkehr zu begeistern. Im Jahr 2000 machten von diesem Service noch 108 Personen Gebrauch, 2001 410 Menschen. Legt man die erste Halbjahresbilanz für 2002 zu Grunde, werden dieses Jahr über 500 Personen das Nachttaxi nutzen.
Eßlinger Zeitung

31.07.2002

 

Städtischer Verkehrsbetrieb zieht für 2001 positive Bilanz

ESSLINGEN: Mit drei Millionen Euro wurde weniger Verlust als in vergangenen Jahren gemacht - Kostendeckung über Bundesdurchschnitt

Von Petra Pauli


Auch wenn es zunächst paradox klingen mag: Mit einem Defizit von drei Millionen Euro legt der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen (SVE) eine erfreuliche Bilanz für das Jahr 2001 vor. Der Verlust des Vorjahrs wurde weiter verringert.

Ein Zuschussbetrieb wird der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wahrscheinlich immer bleiben. Neben dem betriebswirtschaftlichen Optimum gebe es eben auch den volkswirtschaftlichen Nutzen, so der für Verkehr zuständige Bürgermeister Bertram Schiebel, der sich stolz zeigte über die SVE-Bilanz des vergangenen Jahres. Der Stadt sei daran gelegen, dass Bürger mobil seien, dass es ein möglichst dichtes ÖPNV-Netz gebe. Das heißt: Strecken werden angefahren, die sich oft unter keinen Gesichtspunkten rechnen. "Es wäre kurzsichtig, die Kosten des ÖPNV isoliert zu betrachten. Der volkswirtschaftliche Nutzen von weniger Lärm- und Umweltbelastung durch weniger Individualverkehr muss den Kosten gegenüber gestellt werden", so Schiebel. Die Kritik der vergangenen Jahre am Verkehrsbetrieb ist indes verstummt. "Wir sind voll konkurrenzfähig." Erstmals wurde jetzt die anvisierte Marke von drei Millionen Euro erreicht. Ziel sei es, in den nächsten fünf Jahren den Zuschuss auf diesem Niveau zu halten.

Der unternehmerische Spielraum des Verkehrsbetriebs ist gering. An der Einnahmenseite gibt es bis auf weiteres nichts zu rütteln, denn die ist fix, weil vertraglich mit dem Verbund Region Stuttgart festgelegt. Die Stadt wird also noch nicht davon profitieren, dass, so die Erfahrung von Rudolf Obenland, Werkleiter der SVE, "der ÖPNV immer besser angenommen wird". Gespart werden kann nur bei den Kosten. Positiv schlug unter anderem zu Buche, dass die Linie 114 (Aichwald/Aichschieß) aus dem SVE-Betrieb herausgelöst werden konnte. Mit einem Kostendeckungsgrad von gut 80 Prozent liegt die SVE deutlich über dem Bundesdurchschnitt (68,8 Prozent).

Doch auch das beste Ergebnis sagt wenig aus, wenn nicht auch die Gegenleistung betrachtet wird. Und auch hier sieht sich die SVE auf einem sehr guten Weg: Die 40 Fahrzeuge umfassende Flotte wird weiter verjüngt und modernisiert. So sollen bis Jahresende alle neun neuen Oberleitungsbusse im Einsatz sein, 3,5 Millionen Euro wurden dafür investiert. Sie versprechen nicht ein bequemeres Ein- und Aussteigen, können dazu auch abgesenkt werden und haben an der Tür eine eingebaute Rollstuhl- und Kinderwagenrampe. Neu ist auch die Fahrgastinformation: Eine Frauenstimme und Anzeigetafeln informieren über die nächste Haltestelle. Wenigstens die Ansage soll auch in weiteren Bussen nachgerüstet werden. Ein Service des Verkehrsbetriebs ist auch das Nachttaxi, mit dem die Lücke im Fahrplan zwischen 0.30 und 4.30 Uhr geschlossen werden soll. Inzwischen wird das Taxi angenommen, 410 Personen wurden 2001 befördert, das Jahr davor waren es noch 108. Jede Fahrt wird mit 3,20 Euro subventioniert.

Der Stadtverkehr soll auch konzeptionell weiterentwickelt werden. Grundlage soll wie berichtet ein Verkehrsgutachten sein, dessen Umsetzung bis 2007 weitere Verbesserungen mit sich bringen soll. Dazu gehört beispielsweise der Ausbau weiterer Busspuren, Ampelregelungen, die Bussen Vorrang einräumen und zuletzt auch die Umgestaltung des Zentralen Busbahnhofes. Der Plan, wie das Gutachten konkret umgesetzt wird, soll bis Ende 2002 stehen. Verbesserungen soll es bei den Linien 
112 (Wiflingshausen) und 108 (Hegensberg) aber bereits Anfang 2003 geben. Die Zahl der Fahrten wird erhöht und fester Takt eingeführt.

Eßlinger Zeitung

12.06.2002

 

Das neueste Pferd im Stall kann auch sprechen
ESSLINGEN: Verkehrsbetrieb schickt erstes Exemplar der neuen Obus-Generation auf den Weg

(biz) - Es ist noch gar nicht so lange her, da wollte manch einer das Totenglöcklein für die Esslinger Obusse läuten. Schnee von vorgestern. Gestern hat der Städtische Verkehrsbetrieb sein neuestes Exemplar der neuesten Trolley-Generation präsentiert: Der Obus AG 300 T der belgischen Firma Van Hool mit der Elektrik der Firma Kiepe ist der erste von neun brandneuen Trolleys mit Rampe und Stimme für die Neckarstadt.

Das jüngste Pferd im Fuhrpark des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE) ist ein 340 PS starker Trolley-Gelenkbus, dessen Drehstrom-Asynchronmotor an der zweiten Achse dieses Niederflurbusses sitzt. Der SVE hat gestern das erste von neun bestellten Exemplaren der neuesten Obus-Generation auf den Weg geschickt.

Als "Pressekonferenz, Festakt und Liebeserklärung an den Öffentlichen Personennahverkehr zugleich" skizzierte Oberbürgermeister Jürgen Zieger die offizielle Präsentation des ersten AG 300 T, der gestern im SVE-Betriebshof auf seine Esslinger Jungfernfahrt wartete. Acht weitere Busse dieses Typs der belgischen Firma Van Hool werden in diesem Jahr noch folgen, versprach Thomas Weber von der Firma Kiepe, der elektrischen Ausrüsterin der neuen Busse.
Mit den sieben Citaros - das sind Mercedes-Gelenk-Dieselbusse, die der SVE seit dem Jahr 2000 angeschafft hat - und den neun neuen Trolley-Gelenkbussen kommt der SVE-Fuhrpark dann am Ende dieses Jahres auf 16 neue Niederflurbusse und insgesamt auf 48 Fahrzeuge. Längst vorbei also die Zeiten, in denen der Verkehrsbetrieb das Lieblingsprügelkind in Esslingen" war, freute sich Zieger und hoffte darauf, bald auch mit der Umsetzung des Busgutachtens zum Quantensprung in der Beförderungsqualität" mit dem "integrierten Taktverkehr" ansetzen zu können. 
Jeder Trolley kostet rund 533.000 Euro. Nach Abzug der Landeszuschüsse bleiben beim SVE immerhin noch 397.000 Euro pro Bus hängen. Doch das Geld ist aus Sicht der Verantwortlichen in Umweltfreundlichkeit, Kundenservice, Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des Esslinger ÖPNV gut angelegt. "Ein Betrieb, der nicht mehr investiert, stirbt", erinnerte denn auch Finanzbürgermeister und "ÖPNV-Fan" Bertram Schiebel an die Diskussionen ums Thema SVE Ende der neunziger Jahre. 1999 kam dann die Wende - und, mit ihr letztlich nach dem dicken Fragezeichen auch ein klares Bekenntnis zum Obus: SVE-Chef Rudolf Obenland konnte gestern im Betriebshof auf Exemplare aus vier Busgenerationen mit Oberleitungen verweisen. Im Gegensatz zu den Duo-Bussen der dritten Generation steht den neuen Trolleys nur ein Turbo-Diesel-Motor für den Notfall zur Verfügung. Doch: "Der Obus ist kein sterbender Schwan, sondern ein Produkt, das zukunftsfähig ist", unterstreicht auch Weber das Festhalten an der Oberleitung. Auf Bundesgebiet praktizieren es außer Esslingen noch Solingen und Eberswalde. Und man verhandle derzeit mit weiteren Städten. In Salzburg, vor allem aber in der Schweiz seien die Trolleys stark vertreten. "Und wir rüsten zu den Olympischen Spielen komplett Athen aus".
Die knapp 18 Meter langen, zweieinhalb Meter breiten und dreieinhalb Meter hohen neuen Niederflurbusse bieten 44 Sitz- und 100 Stehplätze. Sie versprechen ein bequemes Ein- und Aussteigen, können dazu auch abgesenkt werden und haben an einer Tür eine eingebaute Rollstuhl- und Kinderwagenrampe. Neu ist auch die Fahrgastinformation: Erstmals hören die Kunden nunmehr auch in Esslingen, welche Haltestelle ihr Bus als nächste anfährt (siehe neben stehender Artikel "Stimme vom Chip"). 
Zum Einsatz kommen die neuen Trolley-Busse auf der 30 Kilometer langen elektrifizierten Strecke zwischen den Lerchenäckern und Obertürkheim (Linie 101) sowie zwischen dem Bahnhof Esslingen und dem Zollberg (Linie 118).

Eßlinger Zeitung

12.06.2002

 

Stimme vom Chip
ESSLINGEN: Welche Haltestelle darf's denn sein?

(biz) - Demnächst werden die Fahrgäste in den neueren Esslinger Bussen nicht nur auf einer Anzeigetafel im Bus lesen können, welche Haltestelle als nächste kommt. Eine Frauenstimme wird ihnen zudem noch freundlich mitteilen: "Charlottenplatz. Zum Arbeitsamt und zur AOK bitte hier aussteigen." Sie gehört der ehemaligen Esslingerin und WLB-Schauspielerin Elisabeth Roth und wird bis zum Beginn des neuen Jahres in allen neun neuen Trolleybussen, in den sieben Citaro-Dieselbussen sowie in acht Duo-Bussen des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen (SVE) zu hören sein. Das kündigte gestern jedenfalls SVE-Chef Rudolf Obenland an.

Laut SVE-Betriebsleiter Günther Veith hat Roth ihre Dienste als professionelle Sprecherin bereits der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) zur Verfügung gestellt. "Sie spricht den Text im Studio. Das wird dann digitalisiert und in einem Chip gespeichert." Der kommt in das Ansagegerät des Busses. Die Ansage wird dann gesteuert nach der Entfernung von Haltestelle zu Haltestelle. Nach etwa der Hälfte der Fahrstrecke holt Roth aus, um den nächsten Stopp zu verkünden. Während Anzeigetafeln und Ansagegeräte bei den neuen Bussen zum Standard gehören, muss der SVE laut Veith für die akustische Nachrüstung seiner älteren Busse 3000 Euro pro Fahrzeug hinblättern. Die optischen Fahrgastinfos legt der Verkehrsbetrieb bei seinen älteren Fahrzeugen nicht nach.
Eßlinger Zeitung

20.03.2002

 

Verkehrsclub für Eigenwerbung

Esslingen (red) 

In Kürze werden in Esslingen fabrikneue O-Busse ihren Betrieb aufnehmen. Dirk Rupp, Kreisvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), fordert die Stadtverwaltung in diesem Zusammenhang dazu auf, den Bussen des Städtischen Verkehrsbetriebs (SVE) auch äußerlich ihre frühere Identität zurückzugeben. Setze der Gemeinderat doch damit auf den langfristigen Erhalt des umweltfreundliche Systems O-Bus. Rupp fordert, die neuen Busse der Linie 101 keinesfalls bis über die Scheiben mit Werbung zuzukleben. "Besonders für die Fahrgäste ist dies eine echte Zumutung", sagt Jörg Kirschner vom VCD-Kreisverband. "Sie haben bei der Fahrt durch die Stadt immer einen Schleier vor Augen." Mehrere Negativbeispiele befänden sich unter den seit dem Jahr 2000 neu beschafften Diesel-Gelenkbussen, bei denen sogar die Streifen mit den Stadtfarben aufgegeben wurden. Der SVE solle die Werbung für fremde Produkte hinter einer Eigenwerbung zurückstellen.

Esslinger Woche

13.03.2002

 

Was Rathäuser und Busse gemeinsam haben (könnten);

Auf die Fenster kommt es an

Von Wilhelm Blumerski

Wer beim Anekdotenerzählen aufgepasst hat, kennt die Geschichte von Schilda. Dort bauten die Bürger ein Rathaus und als es fertig war, merkten sie, dass sie die Fenster vergessen hatten. Um nicht völlig im Dunkeln hocken zu müssen, wollten sie zu den Ratssitzungen das Licht in Eimern ins Amtshaus tragen. Die Leutchen wurden als 'Schildbürger' weltberühmt. Nein, nein, liebe Leser; keine Angst, die hiesigen Rathäuser haben alle noch ihre Fenster und sie dürften sie auch behalten. Allerdings ist seit geraumer Zeit ein gewisser Trend erkennbar, dass vorhandene Fenster, obwohl für teures Geld installiert, blitzsauber verglast und regelmäßig hochdruckgereinigt, zunehmend in Ungnade fallen oder zumindest aus der Mode kommen. Die Rede ist von Gucklöchern in den Omnibussen des ÖPNV, auch von denen des Städtischen Verkehrsbetriebs Esslingen, die teilweise mit bunten Bildern und Beschriftungen so zugepflastert sind, dass die Zeitgenossen draußen nicht mehr sehen, wer drin sitzt und die drinnen kaum erkennen, was draußen los ist, was manch einer ärgerlich findet. Am Freitag meldete sich der Verkehrsclub Deutschland, Kreisverband Esslingen, zu diesem Thema zu Wort. Weil in Kürze in Esslingen neue O-Busse ihren Betrieb aufnehmen würden, sollte "die Stadtverwaltung die Gelegenheit nutzen, dem stadteigenen Verkehrsunternehmen auch äußerlich seine Identität zurückzugeben", so VCD-Kreischef Dirk Rupp. Keinesfalls sollten die Fahrzeuge vollständig bis über die Scheiben mit Vollwerbung zugeklebt werden. Besonders für die Fahrgäste sei diese Beklebung eine echte Zumutung, da sie bei der Fahrt durch die sehenswerte Stadt immer einen Schleier oder Nebel vor Augen hätten. "Mehrere Negativbeispiele finden sich unter den seit dem Jahr 2000 neu beschafften Diesel-Gelenkbussen, bei denen sogar die Streifen mit den Stadtfarben aufgegeben wurden", moniert Rupp. Vielleicht sollte der ÖPNV probeweise bei einem Bus ganz auf Fenster verzichten und statt dessen den Fahrgästen beim Einsteigen Postkarten mit Esslinger Stadtansichten aushändigen. Der Bus kann dann beliebig beklebt werden und beim Kauf sparte man obendrein vermutlich noch Geld. Darüber hinaus könnte sicherlich RTL für ein neues Fernsehfortsetzungsspielchen mit coolen Girls und Boys begeistert werden; in dem der Container durch einen Bus ersetzt wird. Gewonnen hat, wer vier Wochen Aufenthalt im Bus überlebt, ohne sich ein Auto zu kaufen. Als ersten Preis gibt's den Bus, die restlichen Postkarten und einen Gutschein für 100.000 Liter Sprit.

Eßlinger Zeitung

08.01.2002

 
Busse sollen an der Ampel auf die Überholspur wechseln
Vorbereitungen für kürzere Fahrzeiten und bessere Verbindungen - Verbindet Linie 113 künftig den Norden mit Berkheim?

Von Hermann Dorn

Für Fahrgäste der Esslinger Buslinien sind spürbare Verbesserungen in Sicht. Bertram Schiebel, der zuständige Bürgermeister, hält neben kürzeren Fahrzeiten zusätzliche Verbindungen für möglich.

Zeitraubende Wartezeiten an Ampeln sollen der Vergangenheit angehören. Verkehrsexperten untersuchen in der ganzen Stadt, wo die Signale für Busse sofort auf Grün schalten. Fast 30 000 Euro blättert allein die Stadt für die Gutachten hin, die noch im Dezember in Auftrag gegeben worden sind. Schiebel: "Auf den Strecken in Richtung Zoll-
berg und Hohenkreuz verspreche ich mir kürzere Fahrzeiten." Diese Chance sieht er auch auf vielen anderen Linien. Weitere Fortschritte strebt er mit Investitionen an Haltestellen an, die stark genutzt werden. "Wir geben Kunden die Möglichkeit, ihre Fahrscheine am Automaten zu lösen." Verzögerungen bei der Abfahrt will er so vermeiden.
Sorge bereitet dem Bürgermeister, der für den Städtischen Verkehrsbetrieb zuständig ist, die Diskussion über weitere Tempo 30-Zonen. "Solche Regelungen kosten auf den Buslinien wertvolle Zeit." Der Verlust von ein bis zwei Minuten könne den Bemühungen, dem öffentlichen Nahverkehr mehr Attraktivität zu verleihen, schnell einen Strich
durch die Rechnung machen. Schiebel setzt aus diesem Grund auf einen zurückhaltenden Umgang mit diesem Instrument.
Kürzere Fahrzeiten eröffnen die Chance, die Busse in kürzeren Abständen auf die Reise zu schicken. Schiebels Ziel: "Wir wollen den Takt mit dem vorhandenen Personal und Fuhrpark verdichten." Geht die Rechnung auf, halten sich die Kosten für die Qualitätsoffensive in überschaubaren Grenzen. Diese erfreuliche Feststellung verdankt sich auch den hohen Zuschüssen, die für die Investitionen an den Ampeln erwartet werden: Nur 15 Prozent der Kosten bleiben an der Stadt hängen. Große Hoffnungen verknüpft Schiebel mit einem weiteren Gutachten, das voraussichtlich im März auf dem Tisch liegen wird. Das 100 000 Euro teure Werk gibt die Richtung für das Esslinger Liniennetz der Zukunft vor. Die Auftraggeber erwarten Hinweise für weitreichende Korrekturen. Dazu gehören neue Durchmesserlinien, die nach dem Vorbild der Linie 101 durch die ganze Stadt verlaufen (Obertürkheim bis Oberesslingen) und am Bahnhof nur einen kurzen Stopp einlegen. Die Überlegungen konzentrieren sich auf die Linie 113, die heute zwischen dem Bahnhof und Berkheim verkehrt. Wenn die Experten vorschlagen sollten, die Linie nach Rüdern oder Wäldenbronn zu verlängern, wäre das alles andere als eine Überraschung.
Große Erwartungen weckt das Gutachten in Wiflingshausen, wo die Kunden seit langem ein besseres Angebot fordern. Kopfschütteln löst der Fahrplan in den Abendstunden aus. Wenn die Linie 112 um 19.05 Uhr in Richtung Bahnhof gestartet ist, vergehen vier Stunden bis zum nächsten Anschluss.
Bevor die besseren Zeiten für die Fahrgäste der städtischen und privaten Busse anbrechen, muss Schiebel noch um Geduld bitten. Bauarbeiten auf dem Post-Areal führen seit Monaten immer wieder zu Verspätungen. Solche Unbotmäßigkeiten stehen auch für die nächsten Jahre zu befürchten. Wenn die Stadt den Bahnhofplatz im großen Stil umbaut, dürfte sich der Fahrplan noch häufiger als Makulatur erweisen.

 

 

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